Auf unserer allerersten Amerika-Reise überraschte uns Nevada immer wieder aufs Neue. Endlose Straßen, extreme Hitze, verlassene Orte und zwischendrin Dinge, mit denen man einfach nicht rechnet. Genau diese Mischung machte den Bundesstaat für uns so faszinierend. Kaum glaubte man, schon alles gesehen zu haben, tauchte hinter der nächsten Kurve wieder etwas völlig Unerwartetes auf. Genau auf so einen Ort stießen wir auf unserem Weg durch Nevada: den International Car Forest of The Last Church in Goldfield. Ein Platz, der irgendwo zwischen Kunstprojekt, Schrottplatz und Wüstentraumszene lag – und damit perfekt zu Nevada passte.
Die Stadt Goldfield in Nevada
Unser Roadtrip führte uns von Beatty, einer kleinen Stadt unweit des Death Valleys, bis nach Tonopah, etwa 150 Kilometer weiter nördlich. Eine Strecke, die auf der Karte kurz wirkte, sich aber durch Hitze, endlose gerade Straßen und monotone Landschaften deutlich länger anfühlte. Mitten auf dieser Route lag die kleine Stadt Goldfield. Goldfield war – wie viele kleine Städte in Nevada – einst bekannt für große Goldminen. Anfang des 20. Jahrhunderts zog es zahlreiche Pioniere und Glückssucher hierher, alle auf der Suche nach dem großen Reichtum. Für eine kurze Zeit boomte die Stadt und wuchs rasant. Davon war heute allerdings nicht mehr viel übrig. Das Goldgeschäft war längst nicht mehr profitabel, viele Menschen waren weitergezogen und zurück blieb eine Stadt, die fast schon an eine Geisterstadt erinnerte.
Beim Durchfahren wirkte Goldfield teilweise wie eine Kulisse aus einem alten Westernfilm. Staubige Straßen, verlassene Gebäude, bröckelnde Fassaden und vereinzelte Relikte aus vergangenen Zeiten. Hier und da gab es noch ein Café, ein kleines Museum oder eine Touristeninformation, die versuchte, die Geschichte des Ortes lebendig zu halten. Doch der Großteil der Stadt wirkte ruhig, leer und irgendwie vergessen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hatte Goldfield einen ganz eigenen Charme. Rau, ruhig und ein bisschen faszinierend. Ein Ort, der nichts beschönigte und genau darin seine Stärke hatte.
International Car Forest of the Last Church

Doch Goldfield versteckte noch einen anderen Schatz, den wir unbedingt entdecken wollten: den International Car Forest of the Last Church. Ein Kunstprojekt, das so verrückt klang, dass es unmöglich war, daran vorbeizufahren ohne anzuhalten. Auf einem weitläufigen Gelände standen alte Autos, Busse und Motorräder – kopfüber in die Erde gerammt, als wären sie vom Himmel gefallen und dort stecken geblieben. Mit der Zeit hatte die Wüste ihre Spuren hinterlassen. Rost fraß sich durch das Metall, Lack blätterte ab und unzählige Graffitis bedeckten die Fahrzeuge. Jedes einzelne erzählte seine eigene Geschichte.



Der Friedhof ist ein Kunstprojekt von zwei Künstlern aus der Region, die seit 2011 immer mehr Autos, Busse, Motorräder, Go-Karts und sogar Fahrräder kopfüber in den Sand gesteckt haben. Heute sind es über 40 Stück! Viele der Autos wurden mit Bildern von Politikern oder anderen Karikaturen bemalt. Doch mit der Zeit hat sich die Farbe bei den meisten Kunstwerken abgenutzt.
Skurril war das Ganze auf jeden Fall. Aber genau diese Art von Skurrilität hatten wir inzwischen fast schon erwartet. Nevada hatte uns bereits gelehrt, dass hier vieles anders war als gewohnt. Der International Car Forest wirkte dabei wie eine Mischung aus Open-Air-Galerie und Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Kunst ohne Regeln, ohne Eintritt, ohne erklärende Schilder. Man durfte alles anfassen, umherlaufen, fotografieren und den Ort auf sich wirken lassen.
Kein Eintritt – Keine Öffnungszeiten – Keine Reglen
Wir schlenderten zwischen den aus dem Boden ragenden Autos umher, machten unzählige Fotos und wechselten ständig die Perspektive. Mal wirkten die Fahrzeuge wie Mahnmale vergangener Mobilität, mal wie bunte Skulpturen, die absichtlich der Natur überlassen worden waren. Es gab keinen Zaun, keine Öffnungszeiten und keine wirklichen Regeln. Der Ort lag einfach da, mitten im Nirgendwo. Abgesehen vom Wind, der über das Metall strich und gelegentlich ein leises Klappern verursachte, herrschte eine beinahe unheimliche Stille. Genau diese Ruhe machte den Besuch für uns so besonders. Es fühlte sich an, als wären wir für einen Moment komplett aus der Zeit gefallen.



Am Ende blieb Goldfield für uns als einer dieser Orte in Erinnerung, die man kaum vergleichen kann. Ein bisschen verrückt, ein bisschen aus der Zeit gefallen und genau deshalb so typisch für Nevada. Solche Stopps machten unseren Roadtrip besonders – und zeigten uns einmal mehr, dass gerade die unerwarteten Orte oft die spannendsten Geschichten erzählen.
