Wenn es etwas gibt, woran wirklich die ganze Familie Spaß hat, dann ist es Essen. Und was würde sich dafür besser eignen als eine Foodtour? Genau das haben wir in Helsinki gemacht. Wir wussten vorher nicht wirklich viel über das Essen in Finnland, außer, dass die Zimtschnecken hier die besten der Welt sind und Reh oder Elch weit verbreitet sind. Auch deswegen waren wir sehr gespannt auf das Essen, was wir bei der Tour kennenlernen durften.
Vor zwei Jahren waren wir bereits mit Maddalena von Maddabout Helsinki unterwegs und hatten damals die Stadtgeschichte kennengelernt. Weil sie uns mit ihrer offenen Art und ihrem Wissen so begeistert hatte, wollten wir auch dieses Mal wieder mit ihr losziehen. Da wir viele historische Hintergründe noch im Kopf hatten, fiel die Entscheidung leicht: Statt klassischer Stadtführung sollte es eine kulinarische Reise durch Finnlands Spezialitäten werden.
Ein erster Touch von Helsinki in der Vanha Kauppahalli – die alte Markthalle von Helsinki
Unser erster Halt führte uns in die alte Markthalle direkt am Hafen, die seit dem 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des Stadtlebens ist. Zwischen kleinen Verkaufsständen, frischem Fisch und regionalen Produkten starteten wir mit einer Auswahl an finnischen Fleischspezialitäten.


Auf dem Brett lagen unter anderem Bärensalami, Elchwurst und Rentierschinken. Für viele klingt das im ersten Moment ungewohnt – vielleicht sogar abschreckend. Doch in Finnland gehören Wildprodukte ganz selbstverständlich zur Esskultur. Die weitläufigen Wälder prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch die Küche. Besonders Rentierfleisch ist in Finnland sehr verbreitet und gilt als hochwertige Delikatesse. Der Geschmack ist kräftig, leicht aromatisch und überraschend zart. Spätestens nach dem ersten Bissen waren alle Zweifel verflogen.
Die Stärkung für zwischendurch im Café Lihapiirakka
Von der Markthalle aus liefen wir weiter durch die Straßen Helsinkis, vorbei an Designläden, Cafés und den typisch hellen Fassaden. Unser nächster Stopp war ein kleines, unscheinbares Café. Hier probierten wir Lihapiirakka – eine finnische Spezialität, die man am ehesten als frittierte Fleischpastete beschreiben kann. Ein weicher Hefeteig wird knusprig ausgebacken und mit Hackfleisch gefüllt.

Mittlerweile gibt es auch vegetarische Varianten, die genauso selbstverständlich angeboten werden wie das Original. Wir bestellten beide Versionen und waren überrascht, wie sättigend dieses einfache Gericht ist. Außen knusprig, innen saftig – echtes Comfort Food. Gleichzeitig merkt man schnell, dass es sich eher um einen Snack für besondere Momente handelt als um einen täglichen Begleiter.
Ein Snack in der Nationalbibliothek Helsinki
Nach dieser herzhaften Stärkung spazierten wir weiter durch die Stadt. Etwa 15 Minuten später erreichten wir die Nationalbibliothek Helsinkis. Das Gebäude verbindet klassische Architektur mit modernen Elementen und steht sinnbildlich für das Selbstverständnis Finnlands als Bildungs- und Innovationsland. Neben Büchern und Arbeitsplätzen gibt es hier auch moderne Arbeitsräume, Studios und technische Ausstattung. Im oberen Bereich befindet sich ein Café – und dort wartete bereits die nächste Spezialität auf uns: karelische Piroggen.
Die kleinen, offenen Teigtaschen stammen ursprünglich aus der Region Karelien und bestehen traditionell aus Roggenteig, gefüllt mit Reisbrei. Serviert werden sie meist mit einer Mischung aus gehacktem Ei und Butter. Beim ersten Reinbeißen waren wir kurz irritiert, denn optisch hätten sie auch süß sein können. Stattdessen erwartete uns ein herzhafter, leicht salziger Geschmack. Gerade diese Einfachheit macht den Reiz aus. Die Piroggen sind klein, aber intensiv – und bevor man sich versieht, ist die Portion auch schon aufgegessen.


Süß, Sauer, Herzhaft – der gelungene Abschluss in der Hakaniemi Markthalle
Für die letzten beiden Stationen ging es in die Hakaniemi Markthalle, einen weiteren wichtigen Treffpunkt für frische und regionale Produkte. An einem Fischstand, mit dem Maddalena von Maddabout Helsinki schon seit Jahren zusammenarbeitet, standen bereits mehrere Platten für uns bereit. Lachs, Hering, weitere Fischsorten und sogar Kaviar wurden zusammen mit frischem Brot, Butter und einem kleinen Pilzsalat serviert. Helsinki liegt direkt am Meer, und das spiegelt sich in der Küche deutlich wider.
Der Fisch schmeckte frisch, klar und hochwertig – ohne viel Schnickschnack, aber mit umso mehr Qualität. Gerade der Hering zeigte, wie vielseitig und fein gewürzt die finnische Küche sein kann.



Zum Abschluss durfte natürlich etwas Süßes nicht fehlen. Serviert wurde Laskiaispulla – ein traditionelles Hefegebäck, das besonders zur Fastnachtszeit beliebt ist. Die Kugel wird aufgeschnitten und mit Marmelade und reichlich Schlagsahne gefüllt. Dazu gab es klassischen finnischen Filterkaffee. Finnland zählt seit Jahren zu den Ländern mit dem höchsten Kaffeekonsum weltweit – mehrere Tassen am Tag sind hier keine Seltenheit. Das leicht süße Gebäck harmonierte perfekt mit dem kräftigen Kaffee. Es war gar nicht so einfach, die große, gefüllte Kugel elegant zu essen, aber der Geschmack machte jede Kleckerei wett.
Unser Eindruck von der Maddabout Helsinki Foodtour
Am Ende der Foodtour wurde uns einmal mehr bewusst, wie stark Essen mit Kultur verbunden ist. Die finnische Küche wirkt auf den ersten Blick schlicht, fast zurückhaltend. Doch genau darin liegt ihre Stärke. Regionale Zutaten, klare Aromen und traditionelle Rezepte treffen auf moderne Einflüsse und eine neue, kreative Gastroszene. Helsinki zeigt, dass Genuss nicht laut sein muss – sondern ehrlich, hochwertig und authentisch.
Eine Foodtour mit Maddabout Helsinki ist deshalb die perfekte Möglichkeit, die Stadt nicht nur zu sehen, sondern wirklich kennenzulernen. Und manchmal erzählen ein Stück Rentierschinken oder eine karelische Pirogge mehr über ein Land als jedes Geschichtsbuch.

