Für viele Deutsche ist Tunesien ein bekanntes Ziel für All inclusive Urlaub und zwei Wochen Strand. Doch was viele nicht wissen ist, dass man in Tunesien so viel mehr erleben und vor allem essen. Und wir können euch versichern, dass sich jede Menge kulinarische Highlights im ganze Land verstecken, die nur darauf warten, probiert zu werden. Deswegen haben wir dreizehn Restaurants, Gasthäuser und Kochkurse rausgesucht, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.
Wir haben Tunesien bisher zweimal mit einem Roadtrip mit Bonheur Voyages entdeckt und bereist. Auf der ersten Reise durch Tunesien sind wir von Djerba gestartet bis in die Wüste und dann Richtung Kairouan und Hammamet. Die zweite Rundreise durch Tunesien starteten wir im Norden und bereisten erst den grünen Teil des Landes, bevor es in den Süden und in die Wüste ging.
Überall im Land haben wir sehr leckeres Essen entdeckt. Und genau davon wollen wir euch in diesem Beitrag erzählen.
Klassisch tunesische Gerichte
Typisch Nord-Afrika: Couscous in Tunesien
Bevor wir ein paar konkrete Tips preisgeben: Wenn man an arabisch-afrikanische Küche denkt, denken die meisten zuerst an Couscous und Fleisch. Natürlich gibt es das auch in Tunesien. Couscous besteht aus Grieß und wird auf verschiedenste Arten gemacht. Oft wird er für längere Zeit in der Sonne getrocknet und nur kurz mit Wasserdampf gekocht. Aber da hat jede Region und jede Familie ihr eigenes Rezept. Worauf es beim Couscous am meisten ankommt ist neben der Garzeit die Soße. Diese ist besteht oft grundlegend aus Gewürzen wie Chili, Paprika, Salz und Pfeffer, jeder Menge Wasser und Gemüse.
Sobald der Couscous fertig ist, wird er oft in einem breiten Teller verteilt, die Soße danach hinübergegeben und das Gemüse auf dem Couscous verteilt. Zu dem Couscous gibt es eigentlich fast immer Fleisch oder Fisch. Dadurch dass die Hauptreligion in Tunesien der Islam ist, darf kein Schweinefleisch gegessen werden, da dieses Haram also verboten ist. Dementsprechend braucht es eine Alternative. Am gewöhnlichsten ist Lamm, welches langsam schmort. In den Küstenstädten gibt es aber oft auch Thunfisch oder Meeresfrüchte.


Brik – der frittierte Leckerbissen, der immer geht
Eine sehr bekannte Vorspeise in Tunesien ist das sogenannte Brik. Ein frittiertes Finger-Food, was mit Kartoffeln und Ei gefüllt ist. Manchmal ist es gerollt wie eine Frühlingsrolle, während es anderswo ein Dreieck ist und beim reinbeißen das flüssige Eigelb hinausläuft. Und wir können sagen: beide Varianten sind unglaublich lecker, doch ein dreieckiges Brik mit flüssigem Eigelb… life could be a dream!


Tunesische Suppen – ein absolutes Muss
Neben Brik sind Suppen ein Muss in der tunesischen Esskultur. Doch hier gibts unendlich viele Varianten! In den meisten Fällen ist es grundsätzlich eine oft scharfe Tomatensuppe. In der Suppe sind Gemüse oder Fleisch oder Hülsenfrüchte oder noch etwas anderes. Oder einfach alles gleichzeitig. Wir können sehr empfehlen wenn möglich eine Suppe als Vorspeise zu nehmen, um die Unterschiede der Regionen kennenzulernen. Wenn der Hunger nicht so groß ist, kann man sich ja auch eine teilen.
Tausend Mal Brot und Tausend Mal lecker
Wenn wir über tunesisches Essen reden, müssen wir auch von Brot erzählen. Ich habe zwar gesagt, dass es bei den Suppen viele verschiedene Sorten gibt. Ich muss gestehen, dass das nichts im Vergleich zu den Brotsorten. Denn die Tunesier haben unzählige Arten an Brot. Vom bekannten Tabouna bis zum Wüstenbrot und Frikasse gibt es jede Menge zu kosten. Die meisten Brote sind auf Grießbasis, aber da fangen schon die ersten Unterschiede an. Das Grieß ist verschieden, die Menge an Wasser und Gewürzen ist verschieden, das eine wird im Ofen gebacken, das andere in der Pfanne wie eine Art Eierkuchen. Beim Brot ist es am sinnvollsten die Locals zu fragen. Denn die wissen am besten, welches Brot hier gegessen wird und wo es gegessen wird.


Harissa – die scharfe Paste mit eigenem Festival
Das letzte, was man im allgemeinen zu den tunesischen Klassikern zählen kann, ist Harissa. Harissa ist eine Chili Paste, welche man überall in Tunesien findet. Am bekanntesten ist sie in der Stadt Nabeul. Hier findet sogar jedes Jahr ein Harissa-Festival statt. Im Herbst 2023 waren wir tatsächlich dort und durften unser eigenes Harissa machen. Im Prinzip sind es einfach zermatschte Chilis mit Öl. Manchmal kommt noch etwas Tomatenmark hinzu und je nach Chilisorte und Zubereitungsweise kommen auch hier wieder unterschiedliche Harissas bei raus.



Die Einheimischen nutzen Harissa für alles: als Dip zum Brot, als Gewürz in der Suppe, für etwas Schärfe im Couscous oder auch um Fisch darin einzulegen. Wir freuen uns jedes Mal auf Harissa, auch wenn es sehr scharf ist. Deswegen passt bitte mit der Menge des Harissas gut auf! Wir Europäer vertragen Schärfe nunmal nicht so gut wie die Tunesier.
Tunis – die Klassiker in der Hauptstadt mit bester Qualität
Wenn es eine Stadt gibt, in der man alle Seiten Tunesiens kennenlernen kann, dann in der Hauptstadt Tunis. Besonders die typischen Gerichte sind hier ein absolutes muss.
Der erste Abend im Dar el Jeld
Wir durften beides direkt am ersten Abend im Dar el Jeld probieren. Ein kleines Restaurant mitten in der Medina von Tunis. Hier hatten wir alle als Vorspeise Brik. Und wir hätten uns kein besseres Brik für den Start unserer Tunesien-Reise aussuchen können. Es war unglaublich lecker! Zu dem Brik kamen Salate und einige Soßen, in die wir Brot eintunkten. Beim Brot müsst ihr im Dar el Jeld vorsichtig sein, denn es gibt immer wieder Nachschlag.



Kochkurs in der Medina der Hauptstadt Tunis
Am selben Abend gab es auch Cousocus zum Abendessen. Doch wir wollten wissen, wie man ihn zubereitet. Deswegen machten wir einen Kochkurs. Der Kochkurs fand ebenfalls mitten in der Medina und wurde von Bonheur Voyages organisiert. Nachdem wir beim lokalen Markt noch ein paar Kleinigkeiten fürs Kochen geholt haben, ging’s ans eingemachte. Aber natürlich nicht alleine. Denn wie könnte man besser koch lernen, als von den Locals, die das schon seit Jahren machen. Deswegen zeigte uns eine tunesische Mutti wie man es richtig macht. Außerdem war eine weitere Tourguidin dabei, die mit uns zuvor bereits auf dem Markt war und uns beim Kochen half. Und sie war eine super Dolmetscherin.
Zuerst haben wir zusammen Brik gekocht. Wir haben auch direkt beide Varianten gemacht und wir waren sehr erstaunt, als die Chefin mit bloßen Händen ins heiße Fett fasste und ein Röllchen nach dem anderen reinlegte und ein Dreieck nach dem anderen rausholte. Auch wenn wir uns das nicht trauten, wussten wir nun, wie man Brik machte.



Nach dem Brik kam natürlich der Couscous. Viele kennen Couscous aus der Schulkantine oder haben ihn vielleicht schonmal selbst gemacht. Egal was – es ist nichts im Vergleich zu dem, was wir hier essen durften. Das liegt unter anderem daran, dass der Couscous hier vorher bereits gekocht wurde. Nämlich von der Sonne. Das ist eine traditionelle Art der Couscous-Zubereitung, die noch heute Anwendung findet. Der halbgekochte Couscous wurde in einer breiten Schüssel verteilt und nach und nach wurde kochendes Wasser hinzugegeben und vermengt.
Nun kam der wichtigste Teil: nämlich das richtige Kochen. Wir haben vorher bereits eine Soße vorbereitet, die wir später über den fertigen Couscous geben. Über dieser Soße wird der Couscous in einen speziellen Couscous-Topf gegeben, bei dem der Wasserdampf der Soße aufsteigt und den Couscous kocht. Klingt zwar ein wenig kompliziert, ist aber nicht so schwer und das Ergebnis ist umso besser.


Zu dem Couscous kamen Gemüse und Thunfisch und als Vorspeise ein paar Salate. Alles wurde wunderschön angerichtet und der Hunger war kaum auszuhalten. Doch leider mussten wir uns dem Essen geschlagen geben. Es war unglaublich lecker, aber am Ende doch zu viel! Doch auch große Bäuche werden eines Tages vollständig gefüllt. Und dieser Tag war heute.
Einzigartiges Essen in den Bergen von Ain Drahem
Von Tunis aus ist es nur ein Katzensprung bis in die Berge Tunesiens. Wie jetzt? Berge in Tunesien? Wir waren selbst überrascht, als wir davon gehört haben und noch beeindruckter, als wir sie mit eigenen Augen sehen konnten. Neben der spektakulären Natur gibt es hier natürlich auch spektakuläres Essen.
In Ain Drahem machten wir eine Wanderung durch die Berge und endeten auf einer kleinen Farm und einem Farmhouse. Hier wartete schon köstliches Essen auf uns. Auch dieses Mal wurde das Essen von einer lokalen Köchin zubereitet, die genau weiß, wie viel wovon ins Essen muss, damit es so gut schmeckt.
Als Vorspeise gab es wie üblich Brot und Salat. Kurz darauf kam eine Suppe, die sich Schachschucha nannte. Flo dachte, dass das bekannte Gericht Schakschuka gemeint war, doch da irrte er sich. Denn es war definitiv nicht das Gleiche! Zuerst rissen wir ein dünnes Fladenbrot in kleine Stücke und anschließend wurde die Suppe übergegossen. Die Suppe selbst war aus Tomaten, Paprika, Chili, Wasser und einigen Gewürzen gemacht. Außerdem waren Hühnchen, Kartoffeln und Karotten in ihr enthalten. Lange Rede kurzer Sinn – es schmeckte unglaublich gut. Und trotz dass die Suppe recht scharf war, war sie dennoch ein Genuss.



Kochkurs mit Locals und ein ganz besonderer Couscous in El Kef
Kochkurs mit Azza im „House of Bread“
Die Stadt El Kef befindet sich ca. 100 Kilometer südlich von Ain Drahem. Hier wartete ein weiterer Kochkurs auf uns im „House of Bread“. Durch den Namen hatten wir schon eine grobe Vorahnung, was wir kochen würden. Das sollte aber nur die Hälfte sein…
El Kef ist eine mittelgroße Stadt nahe der algerischen Grenze und hat eine sehr schöne Medina, sowie eine alte Burg, die man sich anschauen kann. Der Kochkurs fand mitten in der Medina in einem typisch tunesischem Haus statt. Dort trafen wir Azza und es war schon alles für uns vorbereitet. Deswegen ging es auch gleich ans Eingemachte!
Azza erklärte uns als erstes ein wenig über die Geschichte und die Bedeutung von Brot in Tunesien. Danach hat sie uns gezeigt, wie man den Teig macht. Wie so häufig war es überraschend einfach. Nur wenige Zutaten und ein bisschen Gefühl und schwupp: der Teig ist fertig. Allerdings war dieser Teig nicht für Brot gedacht. Denn wir schnitten ihn in kleine Stücken, die von der Form wie kleine Nudeln aussahen. Die Mini-Nudeln sind für eine Suppe gedacht, die so ähnlich wie Schakschuka und Schachschucha ist, aber trotzdem anders ist. Jede Region hat da ihre eigenen Vorlieben.


Unsere meisterhaften Mini-Teig-Nudeln mussten nun ein paar Stunden in der Sonne trocknen. So lange mussten wir aber nicht warten, denn Azza und ihre Mutter haben genau diese Suppe bereits gekocht, während wir im Innenhof geschnippelt haben. Vor der Suppe gab es natürlich noch eine kleine Vorspeise. Die Suppe selbst schmeckte wieder unglaublich gut. Und auch wenn viele der Suppen ähnlich schmecken, sind sie trotzdem einzigartig und nie gleich.
Nach der Suppe waren wir aber noch nicht fertig. Beziehungsweise unsere Bäuche waren fertig, aber die Augen und der Gaumen noch lange nicht. Als Nachtisch gab es Brot! Diesmal aber richtiges Brot, wo wir selbst die letzten Schritte übernehmen durften. Der Brotteig besteht aus einer Tasse Grieß, einer Tasse Weizen, einem Beutel Hefe, Salz und Wasser. Nachdem er vorher bereits eine Weile geruht hat, durften wir ihn nun in große Stücken zerteilen und kräftig Kneten. Danach wurde er zwischen den Handflächen zu einer Platte geformt und mit Öl eingerieben. Im letzten Schritt kam die eingeölte Teigplatte in eine Pfanne und briet auf jeder Seite etwa 5 Minuten. Azzas Mutter hat dabei deutlich mehr Erfahrung, weswegen sie uns geholfen und auch das Braten übernommen hat.
Jetzt hieß es: Verkostungszeit! Entweder süß mit Honig und Olivenöl oder herzhaft mit Frischkäse und Thunfisch. Beides schmeckte unglaublich gut! Allerdings waren wir nach einem Brot bis oben hin gefüllt. Und es beim Abendessen wartete eine lokale Spezialität auf uns.



Süßer Couscous – die Spezialität der Region
Die Region um El Kef ist außerdem bekannt für süßen Couscous. Hä? Seit was soll denn süßer Couscous? Das haben wir uns auch gefragt und uns wurde vorher schon gesagt, dass wir süßen Couscous probieren werden. Nämlich im Dar Alyssa – einem kleinen, traditionellen Gästehaus in El Kef.
Beim Abendessen saßen wir mit unseren Guides am Tisch und bekamen eine riesige Schüssel voller Couscous. Süßem Couscous! Er kam zusammen mit Lamm, Salat und Brot und schmeckte unglaublich gut. Grundsätzlich ist er genauso wie normaler Couscous, nur nicht scharf oder herzhaft, sondern süß. Das wird mit der Süße von Datteln gemacht, die man auch stückchenweise im Cousocus wiederfindet.


Am Anfang war es ein wenig speziell, weil wir den herzhaften Couscous der letzten tage gewohnt waren. Doch nach ein paar Löffeln wurde der Coucous immer leckerer und wir konnten gar nicht mehr aufhören zu essen. Wenn man in West oder Nordwest Tunesien unterwegs ist, sollte das auf jeden Fall dazugehören.
Tunesisches Essen mit spektakulärem Ausblick
Auf dem Weg von El Kef zurück in die Stadt Sfax durchquerten wir Dougga. Eine alte römische Stadt, welche heute nur als Ruine zu finden ist, aber trotzdem sehr beeindruckend wirkt. Dort gibt es auch ein Restaurant und ein kleines Hotel, welches wir sehr empfehlen können. Auf einem kleinen Hügel mit Blick auf die großen Ruinen kann man hier kulinarische Köstlichkeiten von Tunesien genießen.



Dieses Mal bestellten wir viele verschiedene Vor- und Hauptspeisen und teilten alles miteinander, sodass wir so viel wie möglich probieren konnten. Von kleinen Salaten bis hin zu Fisch, Geflügel und Reis war der Tisch am Ende sehr vielfältig gedeckt. Unser Kellner musste uns ursprünglich mitteilen, dass es kein Brik mehr gibt, aber da wir anscheinend sehr hungrig aussahen und sehr lieb gefragt haben, konnte die Küche doch noch ein paar Briks für uns machen.
Die süße Spezialität bei Hamila in Kairouan
Wir waren 2023 schon ein Mal in Tunesien unterwegs und haben in der Stadt Kairouan etwas ganz besonderes gemacht. Wir durften zusammen mit Hamila Markoud ist machen. Makroud ist eine sehr beliebte tunesische Süßigkeit, die man nahezu überall im Land findet. Aber insbesondere in den großen Städten, gibt es sehr viel und sehr leckeres Makroud.
Außen besteht der Teig grundsätzlich aus Grieß und Wasser. Innen ist eine süße Dattelpaste. Das Ganze wird meistens in kleinen Kugeln oder in Parallelogramme geformt und dann kommt das beste. Denn natürlich sind das noch lange nicht genug Kalorien. Die Teige werden nämlich als Nächstes frittiert und zum Abschluss in Honig eingelegt.
Hamila hat damals den Teig bereits vorbereitet. Sie hat uns gezeigt, wie man die Dattelpaste in den Teig rollt, bevor wir danach selbst Hand anlegen durften. Auch beim Frittieren und beim Einlegen in Honig haben wir geholfen.



Nachdem die fertigen Makrouds kurz abgekühlt waren, wurde probiert. Und die haben so gut geschmeckt, dass wir zwei Jahre später noch einmal bei Hamila vorbeischauen wollten. Sie hat uns sofort erkannt und ein paar Erinnerungen kamen wieder hoch. Wir kauften zwei große Packungen, von denen wir eine mit nach Hause genommen haben. Bei der anderen hat sich der Inhalt während der Reise irgendwie in Luft aufgelöst.

Ein kleines Juwel auf den Oliven-Feldern
Ein weiteres kleines Restaurant und Hotel durften wir in Chaffar nahe der großen Stadt Sfax kennenlernen. Von der Hauptstraße fuhren wir ungefähr 10 Minuten über kleinere Schotterstraßen, bis wir mitten auf einem Olivenhain angekommen waren. Und wir konnten nicht glauben, was uns hier erwartete. Ein luxuriöses, aber naturnahes Hotel mit Platz für ca. 20 Personen und einer wunderschönen Aussicht. Hier ist man fern ab von allen Touristen. Leider sah unser Reiseplan nicht vor, dass wir hier übernachteten, aber für ein Mittagessen konnten wir Zeit auftreiben.
Gleich am Anfang gab es Brot mit lokalem Olivenaufstrich. Das Olivenöl und die Olivenpasten werden hier nämlich selbstgemacht. Für irgendwas müssen die vielen Olivenbäume ja auch gut sein. Die verschiedenen Pasten waren alle ähnlich, aber doch so unterschiedlich. Die eine salzig, die andere scharf, die eine rot, die andere schwarz, die eine sehr cremig, die andere mit kleinen Olivenstücken. Sie waren alle sehr lecker.


Nach dem Brot kam wie üblich ein kleiner Salat und ein paar kleine Vorspeisen wie Tajin – eine herzhafte Vorspeise aus Ei und Gemüse – und Brik. Der Hauptgang bestand wieder aus Couscous und war unglaublich köstlich. Wir ärgern uns jedes Mal, dass unsere Magen so klein sind. Wir könnten uns in tunesisches Essen wirklich reinlegen.



Uns ist auch aufgefallen, dass das Essen hier nicht von einer Frau, sondern von einem Mann zubereitet wurde. In Tunesien ist es nämlich üblich, dass die Frauen kochen und die Männer arbeiten. Das liegt überwiegend an der muslimischen Religion, welche in Tunesien sehr stark vertreten ist. Allerdings entfernen sich immer mehr Familien in Tunesien von diesem typisch muslimischen Familienbildern, sodass vor allem in größeren Städten Frauen wie Männer arbeiten.
Das Domaine Ould el Khil – Kleine Gasthäuser mit ganz viel Herz
Auch das nächste kulinarische Highlight fanden wir in einem Hotel. Beziehungsweise in einem Gasthaus. Nämlich im Domaine Ould el Khil in der Region Tataouine. Dieses ist klassisch tunesisch eingerichtet und befindet sich auf einer großen Farm, wo alles mögliche angebaut wird. Man schläft entweder in kleinen, süßen Zipfelhäusern oder in einem Zimmer im Haupthaus. Nachts wird es zwar ein bisschen kalt, aber dafür haben wir uns mit 5 Decken eingekuschelt. Das Gasthaus wird von einer Familie geführt, die selbstständig die Häuser gebaut hat und jeden Tag dafür sorgt, dass die Gäste Frühstück und Abendessen bekommen und kümmern sich dazu noch um die Farm. Das alles machen sie mit so viel Herz und Liebe, sodass man sich wie zu Hause fühlt und dieses Erlebnis nie vergessen wird.

Das Essen hier ist etwas ganz besonderes. Denn fast alles, was hier auf den Tisch kommt, wächst auf der eigenen Farm. Karotten, Salate, Erbsen, Hühnchen und sogar Zitronen springen quasi vom Feld direkt auf den Teller. Bis auf Kleinigkeiten wie Kaffee, Zucker oder bestimmte Gewürze wird lokal und nachhaltig gekocht.


Dementsprechend ist das Essen auch nicht immer typisch tunesisch. Am ersten Abend gab es als Hauptgang überbackener Blumenkohl und Hühnchen. Blumenkohl haben wir vorher in Tunesien noch gar nicht gesehen. Auch am zweiten Abend wurden wir mit einer Erbsensuppe überrascht.
Trotzdem gab es auch die Klassiker wie Tajin, Suppe, Brot mit Harissa oder Tee als Nachtisch. Beim Essen haben wir auch gemerkt, dass sehr viel Liebe darin steckt und es dementsprechend traumhaft schmeckte.
Verrücktes Brot in der Wüste von Tataouine
Ebenfalls in der Region Tataouine stand für uns ein weiterer Kochkurs statt. In der Stadt Guermessa findet man nämlich die GDA Guremessa. Eine lokale landwirtschaftliche Entwicklungsgruppe, die die lokalen Bauern und Landwirte mit ihren Einnahmen durch den Tourismus fördern. Wichtig ist dabei, dass hauptsächlich Frauen aktiv sind. Genau diese Frauen bieten auch Kochkurse an, die einen spannenden und geschmackvollen Einblick in die berberische Küche liefert.
In einem kleinen Haus wurden wir bereits erwartet und es wurde bereits gekocht. Couscous und Brik stand an und wir konnten kaum erwarten loszulegen. Der Couscous wurde bereits vorbereitet und auch die Brik war schon fast fertig. Doch das Einrollen durften wir übernehmen.


Nachdem das Essen fertig war, wurde es aber erstmal zur Seite gelegt. Denn vorher machten die Einheimischen uns noch etwas ganz besonderes. Wir wissen den offiziellen Namen nicht mehr, aber es ist eine Art 5-Minuten Brot. Eine der Frauen zeigte uns wie man es macht: es werden verschiedene Mehle mit Wasser vermengt und in einem Topf über offenem Feuer die ganze Zeit gerührt. Nach und nach wird weiter Wasser hinzugegeben, bis an einen recht festen Teig erhält.
Auch wenn die Farbe etwas eigenartig ist, sollte man sich davon nicht abhalten lassen. Vor 100 Jahren war die Welt ja sowieso noch schwarz-weiß. Gegessen wird dieser warme Teig mit den Fingern. Man reißt sich ein Stück ab, tunkt es in Gewürze und Soßen seiner Wahl und steckt es sich in den Mund. Die Jungs fanden die süße Kombination mit Puderzucker am besten. Melanie und Thomas dagegen waren Fan von den herzhaften Soßen mit Kurkuma.



Es dauerte nicht lange, bis wir den großen Berg verputzt haben und danach kamen die Brik und der Couscous. Auch da merkten wir noch einmal, wie lecker tunesisches Essen sein kann.
Touzeur, Kairouan, Hammamet – drei Restauranttips für Süd-, Mittel-, und Nordtunesien
Zum Abschluss haben wir noch drei Restauranttips. Eins im Süden, eins im Norden und eins mitten drin.
Dar Deda – lokale Gerichte und klassische Rezpete
Das erste Restaurant befindet sich in der Stadt Touzeur im Süden Tunesiens beim Chot el Jerid. Das Dar Deda befindet sich sehr zentral in der Stadt und bietet traditionelle Gerichte an.
Wir bestellten Coucous, Kichererbsen, sowie Lamm und Geflügel. Ein Highlight sind die Fleisch- und Fischgerichte. Diese werden nämlich in einem Tontopf gekocht und angerichtet. Das Fleisch liegt in diesem Topf in einer Soße und gart dort für längere Zeit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen!



Dar Abderrahman Zarrouk – Fine Dining auf tunesische Art
In Kairouan befindet sich das zweite Restaurant und trägt denn Namen Dar Abderrahman Zarrouk. Es ist sehr schön eingerichtet und auch hier gibt es klassisch tunesisches Essen. Neben Suppe, Brik und Couscous gibt es noch viele weitere Spezialitäten aus Tunesien.
Anders als das Dar Deda in Touzeur zeichnet sich das Dar Abderrahman Zarrouk durch luxuriöses Essen, guten Service und eine tolle Kulisse aus. Denn das Gebäude ist ein Riad. Riads findet man überall in Tunesien. Sie bestehen aus einem Innenhof und sorgen durch ihren Aufbau dafür, dass es im ganzen Jahr angenehm kühl. Darüber hinaus ist dieses Riad mit wunderschönen Mosaiken verziert.



Das Edlala – wenn Fisch, dann hier
Der dritte Restauranttip geht an ein relativ neues Restaurant in der Hafenstadt Hammamet. Die Rede ist vom Edlala Restaurant. Ein Fisch Restaurant, in dem man entweder von einer Karte bestellen kann – es gibt auch Brik – oder sich den Fisch selbst aussuchen kann, welcher anschließend entsprechend zubereitet wird. Bei der großen Auswahl viel es uns schwer uns zu entscheiden, weswegen wir froh waren, dass wir tunesischen Freunden unterwegs waren.
Die meisten Fische und Meeresfrüchte werden frisch gefangen und kommen vom Fischerboot direkt ins Restaurant. Nur einige exotischere Fischarten wie Lachs müssen geliefert werden.
Zu dem Fisch und den Meeresfrüchten kann man sich noch einige Beilagen bestellen. Aber Vorsicht! Unterschätzt die Nudeln mit Tomatensoße nicht. Die Soße ist kräftig gewürzt.


Unser Eindruck vom tunesischen Essen
Uns hat tunesisches Essen sehr beeindruckt und wir waren immer wieder verblüfft, wie viele verschiedene Traditionen es gibt. Wir wussten vorher zwar, dass es in Tunesien viel Couscous gibt und das Essen oft scharf ist. Aber die meisten Sachen wie Brik, Makroud, die verschiedenen Suppen und Brote oder dass es sogar süßes Brik gibt, wussten wir nicht.
Der letzte Tipp, den wir für euch haben ist, die Locals zu fragen. Wir haben im Vorhinein versucht einige der Gerichte online zu finden, sind aber gescheitert. Wenn es um lokales Essen geht, wissen die Menschen vor Ort einfach so viel mehr als Google oder Social Media. Deswegen: fragt die Einheimischen. Sie können ich auf der Suche nach dem besten Essen am besten helfen.
