Wie kann man Nordlichter sehen? Wie kann man Polarlichter fotografieren? Das solltet ihr wissen um die Aurora zu erleben

Es gibt diese Momente auf Reisen, die man nicht planen kann – und genau so ist es auch immer mit Naturereignissen wie die Nordlichter. Wir standen irgendwo im Dunkeln in Lappland, haben immer wieder nach oben geschaut und gehofft, dass sich der Himmel bewegt. Und plötzlich war da dieser zarte Schimmer. Kein knalliges Grün wie auf Postkarten, sondern ein leichtes, fast geheimnisvolles Leuchten.

Schon in Island haben wir unsere ersten wirklichen Nordlichter erlebt und seitdem hat uns das Thema nicht mehr losgelassen. Was passiert da eigentlich über unseren Köpfen? Wie entstehen Nordlichter wirklich – und warum sehen sie oft ganz anders aus als auf den beeindruckenden Fotos im Internet? Wir wollen euch hier nun einige Tipps geben, wie ihr Polarlichter findet und wie ihr genau solche beeindruckenden Bilder machen könnt.

Wir wollen euch aber auch zeigen, dass das perfekte Bild nicht unbedingt das Ziel einer solchen Tour ist. Es ist viel mehr!

Wir hatten zum Beispiel die stärksten Nordlichter auf einem Flug von Island nach Deutschland, auf dem wir niemals damit gerechnet haben. Die Überraschung war groß und wir wussten gar nicht wohin mit unseren Gefühlen. Auch die Nordlichter in Lappland auf dem Berg Levi haben uns so eindrucksvoll Begeistert, dass wir den Moment, der wirklich vor Kälte anstrengend erarbeitet war, für immer in unseren Köpfen bleibt.

Wie entstehen Nordlichter (Polarlichter) eigentlich?

Die faszinierenden Nordlichter entstehen durch Sonnenwinde, mit welchen die Sonne Protonen und Elektronen auf die Erde schießt. Die Protonen und Elektronen werden von dem Magnetfeld der Erde an den Nord- und an den Südpol geleitet. Innerhalb der Erdatmosphäre treffen sie dann auf andere Teilchen (z.B.: Sauerstoff) und regen diese zum Leuchten an.  Je nachdem in welcher Schicht der Atmosphäre dies geschieht, leuchten die Teilchen in verschiedenen Farben.

Wenn die Sonnenwinde sehr stark sind, kann man das Phänomen sogar bis nach Südeuropa sehen und das Internet ist dann voll mit tollen Polarlichter-Bildern.

Woher wissen wir, dass es Nordlichter gibt?

Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten. Um zu wissen, wann es überhaupt eine Chance gibt, Nordlichter am Himmel  zu sehen, gibt es natürlich Apps für das Handy. Diese Apps zeigen an wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist. Meist gibt es dazu in der App direkte Links zu Live-Cams in deiner Nähe. Es gibt auch die Möglichkeit eine Sichtung zu melden und zu sehen, wo andere Nutzer Nordlichter gesehen haben . Wir benutzen dazu die App „Aurora“. Diese hat auch ein Wollken-Radar, sodass man auch diesbezüglich die Vorraussetzungen sehr gut abschätzen kann.

Warum sehen Nordlichter in echt oft anders aus als auf Fotos?

Nordlichter sehen in in Wirklichkeit nur selten so aus wie auf Fotos im Internet. Vor allem in Städten oder an hellen Orten kann man sie oft kaum sehen. Meist sind es nur schwache, helle Schleier am Himmel, die ein bisschen wie Wolken aussehen. Die starken Farben auf Bildern entstehen oft erst durch die Kamera und nicht durch das, was man mit den Augen sieht.

In Lappland oder auch Island sind die Chancen zwar besser, Nordlichter zu sehen, trotzdem ist der richtige Ort sehr wichtig. Je weiter man sich von Städten und Dörfern mit Licht entfernt ist, desto besser kann man den Himmel beobachten. Besonders gut eignen sich ruhige Plätze wie zugefrorene Seen, offene Schneeflächen oder Stellen in der freien Natur.

Polarlichter in Nordirland
Polarlichter in Nordirland

Bevor wir die Nordlichter fotografieren können, müssen wir sie aber erstmal entdecken. Wenn man es einmal geschafft hat, dieses Naturereignis am Himmel zu sehen, dann wird es die nächsten Male deutlich einfacher. Auf dem zum Beobachtungsplatz lohnt es sich immer mal wieder Probebilder zu machen und dann auf dem Handy oder der Kamera zu schauen, ob es schon sehr leichte Schimmer gibt, die mit bloßem Auge vielleicht nicht nicht sichtbar sind.

Nun kommen wir zu den richtigen Einstellungen für das perfekte Foto. Ein Handy kann helfen, Nordlichter sichtbar zu machen. Viele Handys haben einen Nachtmodus, den man auf etwa drei Sekunden Belichtungszeit einstellen muss. Während dieser Zeit darf man sich nicht bewegen, sonst wird das Bild unscharf. Am besten legt man das Handy auf etwas Festes, hat ein Stativ dabei oder hält es ganz ruhig mit beiden Händen.

Die besten Polarlicht Einstellungen für das Handy:

  • Nachtmodus am dem Handy auswählen.
  • Etwa 3 Sekunden Belichtungszeit einstellen.
  • Handy während der Aufnahme ruhig halten, ein Stativ verwenden oder irgendwie fest hinstellen.

Die besten Nordlicht Einstellungen für die Kamera:

  • den manuellen Modus (M) nutzen
  • ein stabiles Stativ
  • ein weites Objektiv
  • Blende  bis , ISO 1600–3200 (bei Z-Kameras auch 6400+ möglich)
  • Belichtungszeit von 2 bis 15 Sekunden (schnelle Nordlichter = kürzere Zeit)
  • Fokus manuell auf unendlich setzen (Stern/Lichtquelle)

Auch in Lappland oder in Island braucht man Geduld. Manchmal sind Nordlichter nur kurz zu sehen, manchmal bleiben sie länger am Himmel. Wichtig ist ein klarer Himmel ohne Wolken, denn nur dann kann man sie wirklich sehen. Da hilft uns natürlich das Wolken-Radar in der App „Aurora“.

Warme Hände auf einer Nordlichter-Tour sind wichtig

Nordlichter sieht man eigentlich nur im Winter. Da ist es in den nordischen Ländern natürlich sehr kalt. Und um Polarlichter zu sehen, braucht es oft etwas Zeit. Gerade wenn man länger draußen steht, merkt man schnell, wie kalt es wirklich werden kann – besonders an den Händen. Denn diese sind sehr viel im Einsatz, um Bilder zu machen, um in der App nach Nordlichtern zu schauen und alles zu beobachten. Und kalte Finger sind beim Fotografieren wirklich kein Spaß.

Deshalb sind neben wirklicher warmer Kleidung besonders gute Handschuhe oder kleine Taschen-Handwärmer gold wert. So bleibt man beweglich genug, um Kamera oder Handy ruhig zu halten, ohne nach ein paar Minuten abbrechen zu müssen. Wir bevorzugen in der Kälte meist das Zwiebelprinzip bei unserer Kleidung. Auch bei den Handschuhen handhaben wir das so. Wir haben da dünne Merino-Handschuhe von GripGrab, die auch das Bedienen des Telefon-Displays möglich machen. Dazu haben wir dicke Fausthandschuhe und kleine Akku-Handwärmer von OCOOPA.

Diese beiden Gadgets sind wirklich sehr nützlich für eine angenehme Aurora-Tour.

Eine gute Stirnlampe zum Fotografieren auf einer Polarlichter-Tour

Da man für eine Aurora-Tour immer in dunkle Regionen gehen sollte, braucht man natürlich dennoch Licht um den Weg zu finden. Eine Taschenlampe von Sofirn ist ein gutes Gadget, das haben wir auch immer dabei. Aber noch viel wichtiger für uns ist eine gute Stirnlampe. Diese hilft den Weg zu finden und vor Ort hat man die Hände frei um auch das Handy zu bedienen.

Wir nutzen dafür am liebsten ein Modell wie von Petzl. Die Petzl Tikka Core bei dem nicht nur weißes helles Licht in verschiedenen Stärken hat, sondern auch rotes Licht einstellen kann. Das klingt erst einmal nebensächlich, macht aber einen großen Unterschied beim Fotografieren: Rotes Licht blendet kaum und hilft dabei, dass sich die Augen weiterhin an die Dunkelheit angepasst bleiben Die Pupillen bleiben also geweitet und müssen nicht mit dem ständigen Lichtwechsel klar kommen. So sieht man am Himmel deutlich mehr, als wenn man zwischendurch immer wieder helles, weißes Licht benutzt. Wir lassen also bei der Beobachtung das weiße Licht der Taschenlampen und Stirnlampen aus und nutzen dann nur das rote Licht. Auch Fotografen machen das genau so, wenn sie mit großen Kameras in der Nacht arbeiten.

Viel Spaß auf eurer Auroara-Tour beim entdecken der Nordlichter

Und genau das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis unserer Nordlicht-Reisen: Es geht nicht nur um das perfekte Foto, sondern auch im das einmalige Erlebnis!

Natürlich freuen wir uns über jedes gelungene Bild. Über jedes kräftige Grün, jede tanzende Bewegung am Himmel. Aber was wirklich bleibt, sind diese stillen Momente dazwischen. Das gespannte Warten, wenn man immer wieder nach oben schaut und sich fragt: Kommt heute noch etwas? Und dann zeigen sie sich auf einmal – die Polarlichter.

Nrodlichter über Levi in Lappland
Nrodlichter über Levi in Lappland

Nordlichter sind kein Programmpunkt, den man einfach abhakt. Sie sind ein Geschenk. Manchmal zeigen sie sich nur ganz zart, fast unscheinbar. Manchmal explodiert der Himmel förmlich in Farben. Und manchmal bleibt er einfach dunkel. Doch selbst dann ist da dieses Gefühl, draußen zu stehen, mitten in der Natur, weit weg vom Alltag. Vielleicht ist genau das das Besondere an den Polarlichtern: Sie erinnern uns daran, dass nicht alles planbar ist. Dass Geduld belohnt werden kann – aber nicht muss. Und dass die schönsten Erlebnisse oft dann entstehen, wenn man bereit ist zu warten.

Wenn ihr also eure eigene Nordlichter-Tour plant, nehmt nicht nur Kamera, App und warme Handschuhe mit. Nehmt euch Zeit. Lasst das Handy auch mal sinken. Schaut einfach nur nach oben.

Denn manchmal ist das Leuchten am Himmel nur ein zarter Schimmer – aber das Gefühl darunter ist unvergesslich.

Autoren

  • Ben hängt an der Olperer Brücke

    Ich bin Benjamin und der Jüngste der Familie. Ich mag das Reisen mit meiner Familie und liebe es neue Länder zu entdecken.

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  • Ich bin Thomas und schreibe seit vielen Jahren den Familien Reiseblog Fravely. Ich liebe es die Welt zu bereisen und mit meinen beiden Jungs Flo und Ben und meiner Frau Melanie wundervolle Abenteuer zu erleben.

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